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Reduktion im Design und in der Architektur

Bevor ich anfange zu arbeiten, räume ich auf. Nicht weil ich keine Lust habe anzufangen, sondern weil ich mit Chaos im Raum einfach nicht klar denken kann. Das Sofa muss frei sein, der Schreibtisch auch, am besten die ganze Wohnung. Erst dann kann ich wirklich loslegen. Ordnung ist für mich keine Eigenart, sie ist Voraussetzung. Und je länger ich als Grafikdesignerin arbeite, desto mehr merke ich: Dieser Gedanke steckt in allem, was ich gestalte.

Aufgeräumter Schreibtisch in Schwarz-Weiß mit Laptop und Stuhl — Reduktion und Minimalismus im Alltag, Grafikdesignerin Berlin

Weniger ist keine Entscheidung, die man einmal trifft

Reduktion klingt erstmal einfach. Ist es nicht. Es ist viel leichter, noch ein Element hinzuzufügen als zu entscheiden, dass es keins braucht. Ein Logo vollzupacken geht schnell. Farben, Formen, Schriften, alles irgendwie wichtig, alles irgendwie begründbar. Dasselbe mit einem einzigen Zeichen zu sagen, das wirklich sitzt und nichts erklärt werden muss, das ist die eigentliche Arbeit.

Das gilt für jede gestalterische Entscheidung. Welche Farbe braucht diese Marke wirklich? Welche Schrift passt, ohne zu viel Charakter zu haben? Was kann weg, ohne dass etwas fehlt? Diese Fragen klingen banal, aber sie sind der Kern von Corporate Design. Eine visuelle Identität, die funktioniert, ist nicht die, die am meisten zeigt. Sie ist die, bei der nichts stört.

Keine neue Idee, aber eine beständige

Mies van der Rohe hat „less is more“ nicht als Lifestyle Motto gemeint. Das Bauhaus hat in den 1920ern dasselbe gedacht, nur ohne Moodboard und ohne den Begriff Minimalismus. Und Donald Judd hat in den 1960ern Skulpturen gebaut, die so klar waren, dass man nicht wusste ob man sie anfassen oder einfach nur anschauen sollte.

Reduktion war schon immer eine Antwort auf Überladung. Und Überladung gibt es in jeder Zeit reichlich. Was sich verändert, ist nur die Form, in der sie auftritt. Heute sind es Instagram Feeds, die nach Aufmerksamkeit schreien, Websites, die alles auf einmal wollen, Marken, die laut sind weil sie nicht wissen was sie sagen sollen.

Die Gegenbewegung dazu ist keine Modeerscheinung, sondern ein Konzept, was schon oft funktioniert hat.

Was das mit meiner Arbeit zu tun hat

Ich beschäftige mich seit Jahren damit, was in einem Markenauftritt wirklich gebraucht wird und was schmückendes Beiwerk ist. Als Grafikdesignerin arbeite ich vor allem für Projekte aus den Bereichen Hotellerie, Lifestyle und Architektur, also Bereiche, in denen Ästhetik und Klarheit keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören.

Die Antwort auf die Frage, was gebraucht wird, ist meistens: weniger als man denkt. Und das Weglassen ist oft die schwierigste Entscheidung im ganzen Prozess. Nicht weil man nicht weiß, was weg kann. Sondern weil man sich nicht traut, es auch wirklich wegzulassen. Das kenne ich aus meiner eigenen Arbeit, und ich kenne es von meinem Schreibtisch. Beides fängt mit demselben Schritt an: erstmal aufräumen, dann anfangen.

Du möchtest einen Markenauftritt, der klar und nicht überladen ist? Dann schreib mir gerne!